Zahn der Zeit


	Jeder Mensch braucht um zu essen,
	jedes Tier braucht um zu fressen
	feste Vorderzähne, scharf zu beißen,
	ins knack gesunde Korn zu reißen,
	klein, klar, getrennt zu zerlegen
	wie uns die Künste vorgeben.

	Nie haben die Nager eine Lück',
	geborstener Hauer wächst zurück,
	doch bei Menschen nagt die Zeit
	mit verführerischer Süßigkeit
	in die schützenden Schmelzkerne
	der technisierten Post-Moderne.

	Mit Fäulnis in bleichen Gaumen,
	Nuscheln und vermiesten Launen
	fehlen die zwei weißen Schneider,
	Härte, Kante und Griff der Keiler,
	unterhöhlen den forschen Traum
	im öden Zahnarztwarteraum.

	Die lange Spritze zur Narkose
	führt zur kurzen Angstneurose,
	Bohren ist ganz ohne Schmerzen,
	das Spiegelbild lacht von Herzen
	nach sanft befreiender Kosmetik
	für jede kulinarische Artistik.





Udo Frentzen 2016 - 2015