Flussab


	Im Wasser spiegeln sich unsere Wege,
	Gekräusel im Fluss, Wellen im Meer,
	Sterne im All sind hier knappe Längen.

	Die Entfernung zu Gott scheint messbar,
	Nach oben? Nach unten? – Flussauf,
	Der grün und algenreich vorbeizieht.

	Seine Worte aus der Ferne raten uns:
	Steig' auf zu den Quellen des Lebens,
	Wo die Bäche noch klar und blau sind.

	Rudere mit Fleiß gegen die Strömung,
	Lasse dich nicht nach unten treiben,
	Schlage nachts dein Zelt am Ufer auf.

	Lange, schnelle Boote zielen nach unten,
	Gestopft mit Köpfen, Waren und Waffen,
	Eilen bespannt mit flackernden Wimpeln.

	Stur wie in vorausgegangenen Zeiten
	Folgen ihre Kapitäne der gleichen Route,
	die zu Kolonien und Weltkriegen führte.

	Sie stürzen über die engen Fälle hinunter
	Am Rande von fahlen, grauen Strudeln,
	'Nie Um' zeigt jetzt die schwarze Flagge.

	Die Könige und Präsidenten unserer Zeit
	Steuern auf planetarische Katastrophen zu,
	Zu sinken in weiter Öde, Stahl und Sand.




Udo Frentzen 2016