Kolonne


	Wie eine Kolonne, wie so oft zuvor,
	Dringt das Elend mit Kämpfern ein,
	Plünderung, Mord, gehackte Kehlen.

	Wie zerstäubte Flocken entkommen,
	Wurde Unwiederbringliches beweint:
	'Er ließ mich in Finsternis verharren
	wie die schon lang Verstorbenen.'
	'Sieh uns verzweifeln, Herr
	dieser blutigen Erde.'

	Das ästhetische Wortgebinde
	Fasst nicht die Tat,
	Die stumpfe Ansicht von Leichen
	Bewegt nicht das Auge,
	Es fehlen Anzeige und Schellen
	Zur Gerechtigkeit.

	Dies ist ein Plakat
	Mit Fakt, mit Bild, mit Aufruf,
	Das morgen
	Groß von allen Wänden prangt.


	(Quellen: Klagen des Jeremiah 3,6 und
	G. Walden Wir, die Verlorenen - 1943) 





Udo Frentzen 2014